Liebe Schülerinnen und Schüler,
seid herzlich willkommen zu unserer gemeinsamen Veranstaltung "Seminarfachunterricht in der Universitätsbibliothek Erfurt".
Eure Ideen sind gefragt. Zusammen mit Euch wollen wir uns Euren SeFa-Projektentwürfen zuwenden. Ihr werdet Zeit haben, sie im Dialog mit uns und im wissenschaftlichen Streitgespräch in Eurer SeFa-Gruppe weiterzuentwickeln.
Schön, dass Ihr für diesen Weiterentwicklungsprozess Eure Projektentwürfe zur Verfügung stellt.
Wir gehen davon aus, dass Menschen zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Lage sind, sofern sie sich auf das einlassen, was mit Wissenschaft und wissenschaftlichem Erkennen gemeint ist, und sofern sie zugleich kritisch denken. Würden wir nicht von diesem Grundsatz ausgehen, dann dächten wir anders, zum Beispiel so: Menschen können nicht wissenschaftlich arbeiten und nicht wissenschaftlich erkennen.
Vielleicht habt Ihr jetzt geschlussfolgert: Eine gedankliche Setzung eröffnet also ein Feld möglicher Wege und jeder folgende geistige Schritt konkretisiert mehr und mehr den Weg. - Vielleicht habt ihr auch sofort gedacht, dass man darauf achten muss, dass man die Schritte nicht manipulieren darf, weil man ja in der Wissenschaft das Sosein von etwas klären will. Wie etwas wirklich ist, lässt sich leider gar nicht so einfach erkennen. Zuerst muss man das Sosein forschend begreifen und dann das Verstandene mitteilen. Das Verstandene ist eine Widerspiegelung. Es soll ein nach Möglichkeit gültiges Abbild darstellen. Das Abbild soll die Merkmale des Untersuchten tatsächlich aussagen.
Irren ist menschlich. Die Irrtümer aber nicht auszuräumen, sondern auf ihnen zu beharren, sie schlicht zu wiederholen, oder die Theorie solange zu verändern, bis der Irrtum eine trügerische Richtigkeit besitzt, kann schlimme Folgen haben. (Dass Irrtümer nicht als solche erkannt werden oder dass Irrtümer vorsätzlich in scheinbare Richtigkeit gewandelt werden, passierte im historischen Lauf und geschieht in der Gegenwart. Sicherlich hat dies mit dem Ego des Menschen zu tun. Für manche Menschen bedeutet das Zugeben eines Irrtums eine Niederlage.)
Das Sosein enthält von vornherein sämtliche Wahrheit, die es betrifft. Nur unser Abbild enthält diese noch nicht. Somit könnten wir Menschen erzählen, was wir wollten, denn das Sosein lässt sich zum Glück nicht durch unsere Rede verändern. Im wissenschaftlichen Kontext müssen wir darum ringen, dass das von uns formulierte Abbild über das Sosein dem Sosein nahekommt.
Na dann, bleiben wir kritisch, nachdenklich und neugierig!
Hier findet Ihr sämtliche Hilfematerialien für unsere Veranstaltung.
Wer etwas wissen möchte, wird immer wieder fragen müssen. Also befragt die Bücher, befragt die Welt, fragt Eure Lehrerinnen und Lehrer, fragt Euch untereinander und fragt auch mich.
Starten wir mit der Veranstaltung, zu der auch die Vorbereitung gehört! Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Weiterentwickeln Eurer wissenschaftlichen Projekte.
Holger Schultka