Nachtrag 3a: Zitat "Logik der Forschung"
Thomas S. Kuhns Auseinandersetzung mit Karl Poppers Begriff der "Falsifikation"
Thomas S. Kuhn (1922-1996), Physiker und Philosoph; Karl Popper (1902-1994), Philosoph
Quelle: Kuhn, Thomas S.: Logik der Forschung oder Psychologie der wissenschaftlichen Arbeit? In: Lakatos, Imre (Herausgeber); Musgrave, Alan (Herausgeber); Feyerabend, Paul K[arl] (Übersetzer); Szabó, A. (Übersetzer): Kritik und Erkenntnisfortschritt / mit Beiträgen von P.K. Feyerabend, T.S. Kuhn, I. Lakatos, M. Masterman, K. Popper, E. Toulmin, J. Watkins, L.P. Williams. Braunschweig : Vieweg, 1974 (Abhandlungen des Internationalen Kolloquiums über die Philosophie der Wissenschaft, London 1965 ; Band 4) (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie ; Band 9), Seite 1-24. - Originalausgabe der Konferenzschrift: Criticism and the growth of knowledge. London : Cambridge University Press, 1970
Quellenangabe mit einem vereinfachten Beschreibungsstil (deshalb abweichende Deskriptionszeichen): Kuhn, Thomas S.: Logik der Forschung oder Psychologie der wissenschaftlichen Arbeit?, in: Lakatos, Imre (Herausgeber); Musgrave, Alan (Herausgeber); Feyerabend, Paul K[arl] (Übersetzer); Szabó, A. (Übersetzer): Kritik und Erkenntnisfortschritt, Braunschweig, Vieweg, 1974 (Abhandlungen des Internationalen Kolloquiums über die Philosophie der Wissenschaft, London 1965, Band 4) (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie, Band 9), Seite 1-24. - Originalausgabe der Konferenzschrift: Criticism and the growth of knowledge, London, Cambridge University Press, 1970
Quellenangabe mit einem vereinfachten Beschreibungsstil (Daten wurden gekürzt; Auffindbarkeit der Quelle ist noch garantiert): Kuhn, Thomas S.: Logik der Forschung oder Psychologie der wissenschaftlichen Arbeit?, in: Lakatos, Imre (Herausgeber); Musgrave, Alan (Herausgeber): Kritik und Erkenntnisfortschritt, Braunschweig, Vieweg, 1974, Seite 1-24
"[...] es scheint, daß alle normalen Fehler die folgenden Eigentümlichkeiten besitzen: Einen Fehler begeht oder verübt zu einer gegebenen Zeit und an einem gegebenen Ort ein gewisses Individuum. Dieser Mensch versäumt, eine festgesetzte Regel der Logik, des Sprachgebrauches oder irgendeine der Beziehungen zwischen diesen und der Erfahrung zu befolgen. Oder er mag statt dessen jene Konsequenzen verkennen, die aus der Wahl zwischen jenen Alternativen folgen, die die Regeln zulassen. Derselbe Mensch kann nur deswegen aus seinem Fehler lernen, weil die Gruppe, deren Praxis die Regeln verwirklicht, das Versagen des Individuums isoliert und die mißachteten Regeln anwendet (den Fehler korrigiert). Kurzum, jene Art Fehler, auf die Sir Karls [gemeint ist Karl Popper] Imperativ am offenkundigsten paßt, bestehen im Versagen des Individuums - in bezug[!] auf das Verstehen oder auf die Erkenntnis - innerhalb einer Tätigkeit, die durch solche Regeln gelenkt wird, die von vornherein festgesetzt sind. In den Wissenschaften kommen solche Fehler am häufigsten, ja vielleicht ausschließlich, nur innerhalb der Praxis der normalen, rätsellösenden Forschung vor." (Seite 11-12)
"Herausfordernder Zweifel und Zurechtlegungen sind normative Bestandteile jeder gewöhnlichen Forschung in den empirischen Wissenschaften. Und was die Zurechtlegungen betrifft, so spielen diese eine hervorragende Rolle auch in der noch nicht abgeschlossenen experimentellen (nicht-formalen) Mathematik." (Seite 14)
"Die Lehre von Sir Karl [Popper] ist nicht so sehr eine Logik als eher eine Ideologie. Diese Lehre enthält ja nicht so sehr methodologische Regeln als eher Maximen des Vorgehens." (Seite 16)
"Wissen besteht sowohl aus den konkreten Beispielen wie auch aus den theoretischen Verallgemeinerungen." (Seite 19)
"Begegnet er [der Wissenschaftler] einem unerwarteten Fall, so muß er weiterforschen, um seine Theorie auch auf einem Gebiet weiterzuentwickeln, das problematisch ist. Er mag dann die frühere Theorie einer anderen zuliebe verwerfen, und er mag dafür auch gute Gründe haben. Aber keine rein logischen Kriterien können jene Konklusion diktieren, die er ziehen muß." (Seite 20)